Schnee, Eis und Kälte erwartete mich hier nicht, so war es eine gute Idee, am Tag des ersten Schnees im Sauerland, in den sauersüßen Apfel zu beißen und den Flug nach Malaga zu buchen.
21.11.2004 - Erster TagIch liebe diese Art Fotos!
Mit der dicken Daunenjacke also in den Flieger, Zwischenlandung auf
Mallorca, zwei Schalen weg, und im T-Shirt komme ich dem
Erhofften näher. ;-)
Übrigens, wer oben Schleichwerbung findet, darf sie behalten. Die wissen
schon, warum sie das auf die Winglets schreiben.
Genau da unten muss es sein, das sieht doch vielversprechend aus!
Geht aber noch 150 Kilometer weiter, die ich nachher wieder zurück
fahren muss. Rausspringen? Nein, noch geht's!
Hm, da frage ich mich: Hab ich nur so schlecht gepackt
oder geht in einen Ford Ka wirklich nur für eine Person Gepäck rein?
Gut, aber jetzt mal langsam zu den Bergen! Ein Blick von meiner Terasse
macht Appetit auf den nächsten Tag. Fluglehrer Carlos ist sein Rechner
wegen Überflutung in die Luft geflogen, also morgen irgendwo das
Flugwetter holen. ICH BRAUCHE WLAN!!! Ja, geht schon wieder. ;-)
Und Nacht!
22.11.2004
Resultat des Tages: 3 Flüge. ;-)
Für den ersten Tag nicht schlecht. Leider keine für mich verwertbare Thermik, zumal mein Vario schön im Zimmer lag. Carlos hatte für die ersten Flüge ein leichtes Territorium ausgesucht, und für mich als Anfänger, der nie in den Bergen geflogen ist, mal abgesehen von Sillian, als Eingewöhnung genau das Richtige!
Nach den ersten beiden Flügen sah es dann am Startplatz in über
2000 Metern Höhe so aus!
Und in diese Richtung bin ich vor einer dreiviertel Stunde noch
gestartet, zu dem Zeitpunkt war noch keine Wolke in Sicht. Was soll ich
sagen, im Flachland wäre das nicht passiert. ;)
Also sind wir auf die Südseite gefahren, dort war wieder strahlender Sonnenschein. Kurzer Startplatz, etwas mehr Gegenwind wäre gut gewesen, aber auch mit einem schlechten Start hat es geklappt. Dann bin ich neben einem Flussbett gelandet und wurde mit kräftigem Hundegebell in New England, wie Carlos es nannte, empfangen. Ausgewanderte Engländer, die in Ihren Wohnwagen und Vehikeln hier Ihr neues Heim gefunden haben. Die Hunde waren übrigens harmlos und wollten nur ein bisserl jagen gehen. ;-)
Das war auch schon alles für heute, am ersten Tag kann keiner von mir
verlangen, dass ich mich aufs Fotografieren konzentriere, oder?!
Ok, noch schnell die Standardfotos vom Zimmer. ;)
Das hatte ich ehrlich gesagt von meiner Hundehütte nicht erwartet.
Der Komfort der weiten Welt, sowas hatte ich nicht mal im teuersten
Hotel. Nein, das ist keine Toilette.

Spartanisch, aber "desinfiziert", wie ich am ersten Tag sehr gut riechen
konnte. (Erst mal die Fenster aufgerissen, aber nu is besser.)

Ein schönes großes Bett mit der nötigen Verpflegung für Tag und Nacht.

23.11.2004
Resultat des Tages: 4 Flüge, einer über ca. 13 Kilometer
Nach dem ersten Schnuppertag hat mich Carlos auf knapp 2200 Meter
gefahren. Der Startplatz ist noch hinter der Bergspitze, die man hier
sieht.

Mein schwarzer Raven parkt im trockenen Flußbett direkt neben dem
Wasser.

Ich will auch mal aufs Foto, daaaaaaaaaa oben irgendwo bin ich gestartet.

Ok, ok, hier könnte auch eine 747 locker landen, aber ich hab es fast
immer auf den gleichen Punkt geschafft. ;-)

24.11.2004
Resultat des Tages: 5 Flüge, Training für Terrassenlandung
Aloah, heute hab ich die Thermik nicht wirklich im Griff gehabt. Die Bedingungen waren erst recht ruhig, später wurde der Wind ein wenig stärker.
Hier eine Infotafel, die man nicht erkennen kann, weil fast nur mein
Spiegelbild zu sehen ist. Sorry, die Sonne stand ziemlich schlecht und
ich konnte das Schild nicht in den Schatten rücken. Ich mach das noch
einmal ohne Sonne von schräg vorne, wenn die Zeit passt.

Das ist übrigens mein Raven am Startplatz in 1600 Metern Höhe. Heute
bin ich nicht bis zum Fluss runter geflogen, sondern hab Landungen am Berg
geübt. Teilweise garnicht so einfach, wenn Du im Endanflug wie ein Stein
nach unten gehst und über der Landefläche der Lift einsetzt.

Das ist der Landeplatz (Heliport 55) am Abend. Daneben ist übrigens
noch eine Wiese,
die ich heute zweimal nehmen musste, weil es mich immer wieder hoch
getragen hat.

Hier ist dann genug Platz für Anfänger gewesen.

Mein ND-Filter wollte auch mal getestet werden. Carlos beim Blick in
die Ferne.

25.11.2004
Resultat des Tages: 3 Flüge, einer ca. eine Stunde.
Mein erster Stundenflug hier unten hat mich wirklich überrascht, weil ich kaum mit Thermik gerechnet hatte.
Dies ist wohl der kleinste Startplatz
hier, aber sehr gut ausgebaut. Bin öfter hier gestartet in den letzten
Tagen, und es hat immer gut geklappt.

Heute sind drei Schweizer Flieger dazu gestoßen, und sie tragen
wirklich eine Portion Humor in sich.
Vor mir gestartet, sind alle drei zu einem ziemlich weit entfernten Hügel
geflogen, und ab ging es nach oben. Ohne Wind-Dummy – sorry ;-)
– wäre ich nicht dorthin geflogen, ging dann aber sehr gut. Danke!
Unten im Flussbett ist Landeplatz für Flüge aus Nord und Süd.

26.11.2004
Resultat des Tages: 2 Flüge, einer ca. eine Stunde und >10km.
Heute war wieder ein guter Tag, ein kurzer Flug von 2100 Metern auf eine (große) Terrasse, und ein langer Flug runter zu dem Berg, an dem wir gestern eine Stunde gesoart sind, danach die Landung im Flussbett.
Der Startplatz auf 2100 Metern. Heute brauchten wir den langen Anlauf auch,
da der Wind anfangs ziemlich schwach hinauf wehte.

Carlos mit dem weißen Edel-Tandem vor den Felsen.

Ja, ich hab es geschafft, endlich mal inflight-Fotos. ;-)

Ziemlich mittag auf dem Bild ist der Heliport, der
auf den Bildern oben schon zu sehen ist. Die Straße macht
dort eine Schleife. Also genug Möglichkeiten, falls es nicht bis zum
Fluss reicht.

Der Raven ist doch bunter, als ich dachte.

Da vorne muss ich noch drüber, um zum Fluss zu kommen, aber die Höhe
reicht locker bei diesen ruhigen Bedingungen.

Links im Bild am Ende des grauen Flusslaufs ist der Berg/Hügel, an dem
wir gestern soaren konnten. Dreimal 15 Jahre Schweizer Gleitschirmerfahrung
flogen auch heute länger dort als ich. Na warte ...

Zu guter Letzt dann noch ein wenig Traditionspflege. Table Soccer nach
dem Fliegen in einer Bar. Der Tisch war zwar etwas komisch, die Spieler
hatten zwei Füße und eine andere Aufstellung als in D, aber Spaß hat's
gemacht. :-)

27.11.2004
Resultat des Tages: 2 lange schöne Flüge.
Am heutigen Tag hat Carlos uns - Marco, Beat, Heinz und meiner Wenigkeit
- einen neuen Startplatz in 1800 Metern beschert, von dem aus das
Meer zu sehen ist. Natürlich erkennt man das auf dem Foto nicht, weil ich
fast gegen die Sonne fotografieren musste. :-(

Von hier aus besteht sowohl die Möglichkeit, am Strand zu landen,
als auch in das altbekannte Flussbett zu gelangen. Der Wunsch nach einer
Seilbahn war uns allen bei dieser Auffahrt wohl gemein.
Der Startplatz ist wirklich etwas tricky. Die
Pflanzen am Boden scheinen Heißhunger auf Leinen zu haben und hinter der
Kante sorgt ein Rotor dafür, dass die Kappe unten bleibt.

Da heißt es, gewusst wie, Kappe ziemlich vorne am Rand auslegen,
etwas den Berg runtergehen, rückwärts aufziehen, alle Leinen checken,
kontrolliert oben halten, und mit Schwung raus. Dann ist man auch schon
frei.(Jetzt mal aus Anfängersicht.)

Auf dem Weg zum Fluss, erstes Ziel ist der Berg auf der linken Seite
des Bildes.

Eines der wenigen Fotos, das trotz des vergessenen ND-Filters etwas
geworden ist, eine kleine Ruine auf dem Weg.

Direkt am Fuß des Soaring-Berges ist genug Platz für die
Landung. Videos der Cracks folgen, wenn ich wieder daheim bin.

Hier noch ein Flieger, der als einziger eine Startplatzüberhöhung
bei Atalaya 1 geschafft hat.

Marco, Beat und Heinz verabschieden sich heute schon wieder. – Jungs, es hat wirklich Spaß gemacht mit Euch und ich freu mich schon auf den 8-Minuten-Berg vor Heinz' Haustür. ;-)
28.11.2004
Resultat des Tages: Besuch der Stadt Motril und lange schlafen.
Heute hab ich mich sehr schön vom Fliegen erholt, sechs Tage Berge rauf- und runterfahren und -fliegen ist schon einen Tag Pause wert.
In der Stadt angekommen, musste ich feststellen, dass diese Stadt nicht
wirklich das Highlight eines Touristenbesuchs ist. Trotzdem hab ich versucht,
ein paar Fotos vom einzigen schönen Ort in Motril zu machen, den ich
gefunden habe.



Zum Essen bin ich dann lieber wieder nach Bubion ins Estacion 4
gefahren, da ist es gemütlich und die Leute sind überwiegend sehr
(englisch)gesprächig.

Luke (sprich: Luki) schmeißt den Laden mit viel Freude. Den Namen hat
er als 15jähriger bekommen, schon damals sah er aus wie Lucky Luke!

29.11.2004
Resultat des Tages: Fahrt auf den Berg, um Rückenwind vorzufinden.
Sasser-Virus bei Carlos rauswerfen, Wetterkunde mit Carlos.
Die Windfahnen am Startplatz über Bubion sagten nichts Gutes,
schon auf dem Weg nach oben gab es ein paar Tropfen Regen auf die
Windschutzscheibe.

Bleibt noch, die Landemöglichkeiten auf der anderen Bergseite
zu zeigen, es war zwar etwas diesig, aber man kann gut erkennen, dass
es überall große Terrassen gibt, auf denen man im Zweifelsfall landen
kann.


Nachdem Carlos die Überschwemmung überlebt hat, sein Computer jedoch nicht - ich hab noch nie eine Festplatte in der Hand gehabt, die so eindeutig kaputt roch - hat er sich heute mit seinem neuen Computer bei der Einwahl ins Internet gleich den Sasser-Virus eingefangen.
Aber da das Wetter ja eh schlecht war, hab ich mal eben das wichtigste in Ordnung gebracht und installiert. Ich will ja nicht aus der Übung kommen. ;-)
30.11.2004
Resultat des Tages: Lange schlafen, spain-horse-riding.com-Übersetzung
anfangen, mit Angie, Lotta und Carlos lecker Essen gehen.
Heute hab ich die Kamera zu Hause gelassen, der Nebel und der Regen wären sicher nicht so förderlich für die Kamera gewesen.
01.12.2004
Ziel des Tages: Dem Nebel und dem Regen entfliehen.
Morgens aufgewacht, das monotone Geräusch des Regens im Ohr, hab ich erst mal in Ruhe gefrühstückt. Ohne den Glauben an besseres Wetter bin ich einfach durch die Gegend gefahren. Irgendwie bin ich dann doch in Granada angelangt. Klar war hier Sonnenschein angesagt, und meine Kamera lag natürlich im Zimmer. Ist schon eine heftige Stadt, das totale Verkehrschaos. Für die nächste Reise sind zwei Tage dort reserviert, sonst reicht die Zeit nicht.
Früh genug zurück in Bubion blieb noch genug Zeit, das Ergebnis von zwei Tagen Regen zu fotografieren.
Lassen wir die letzten Tage außer Acht, die gezeigt haben, dass es auch in der Sierra Nevada mal regnen kann, war dieser Gleitschirmurlaub ein voller Erfolg. Das erste mal nach meinem Scheinerhalt auf Gleitschirmurlaub, hab ich in sechs Tagen Alpujarra-Fliegen meine Fertigkeiten wirklich extrem ausbauen können. Jeden Tag bin ich einen Schritt weiter gekommen, das bedeutet im Einzelnen, dass ich mich nun in meinem Gurtzeug, das vorher nie richtig eingestellt war, und unter dem Raven wohl fühle, und auch die Reaktionen der Kappe kenne, wenn es an der doppelten Bergkante erst rauf, dann runter und gleich wieder rauf ging.
Carlos hat mir in sechs Tagen eine Menge über Meteorologie, Flugtechniken und die Eigenarten der Berge beigebracht. Für jeden Flug hat er mindestens zwei alternative Landeplätze parat, die er mit Windfahnen ausgerüstet hat. Auf Grund meiner Erfahrungen kann ich seine Flugschule Horizonte Vertical nur empfehlen.
Als Vorbereitung auf Indien jedenfalls ein großer Schritt, weil ich jetzt keine Bedenken mehr habe, dort sicher fliegen zu können.
Dann bis zur nächsten Reise, vielleicht schon im Januar 2005!
Kleiner Nachtrag: Angie hat mir noch ein paar Bilder vom Raven im Flug geschickt. :-)


