Hersteller: Skyward Flugsportservice
Pilot: Stefan Schumacher
Datum: Mai 2006
Der Air-FX ist mein dritter Schirm, einer der ersten Air-FX (Nr. 4)
ist in meinen Händen gelandet und ich fliege ihn jetzt seit
9 Monaten.
Zuvor flog ich den Skyward Raven im Jahr
2003 als Schulungsschirm, danach den Skyward Hawk, alle Schirme waren 1-2er.
Geflogen bin ich außerdem die 1er Avalon und Mescal, die 1-2er Tequilla
und Rush, sowie den Ozone Addict (2er) und ein paar Abgleiter auf anderen
Schirmen. Ich fliege frei in der dritten Saison.
In den letzten 12 Monaten hab ich ca. 70 Flugstunden, davon ca. 60 Stunden
auf dem Air-FX, einige auf dem Hawk und dem Tandem Independence Speed.
Ich bezeichne mich als streckenfluginteressierten fortgeschrittenen
Anfänger und mag auch bockige, windige Bedingungen.
Da ich meistens im starkwindigen Indien fliege, brauche ich einen Schirm,
den ich im oberen Drittel des Gewichtsbereichs fliegen kann. Mein
Startgewicht liegt zwischen 85 und 90 kg, der Air-FX S ist zugelassen von
65 - 90 kg.
Der Schirm hat 53 Zellen und vier Leinenebenen, sowie geteilte A-Leinen
und macht einen schlanken Eindruck. Die Farbkombination ist frei wählbar,
ich hab mich für rot-weiß-schwarz entschieden.
Nach ca. 70 Flugstunden von mir und meiner Freundin macht das Material noch
einen sehr guten Eindruck, auch wenn das indische Klima nicht gerade
förderlich für das Leben eines Schirms ist (Sonne, Sand, Dornen,
Büsche und sonstiges Getier).
Die genauen technischen Daten sind sicher auf der Homepage des Herstellers
oder bei para2000.free.fr zu finden.
Von den 120 Starts sind nur zwei vorwärts, einer in Kössen bei Nullwind, einer abends in Shelar, Indien. Die Vorwärtsstarts verliefen reibungslos, die Kappe kam zügig und gleichmäßig hoch, auf beiden Seiten hatte ich jeweils beide geteilte A-Leinen in der Hand.
Meine Lieblingsstartart rückwärts ist bei jeder fliegbaren
Windstärke ab fast Nullwind möglich. Bei leichtem Wind kommt die
Kappe gleichmäßig langsam hoch, auch wenn man nur die inneren
A-Leinen zieht, besser jedoch mit den äußeren dazu.
Bei stärkerem Wind muss man dem Schirm ein wenig entgegenlaufen,
sonst wird man ausgehebelt, wie eigentlich bei allen Schirmen,
die ich im Intermediate-Bereich kenne. Die inneren A-Leinen reichen
vollkommen.
Sehr schön kann man mit dem Air-FX den Kite- oder Cobrastart
durchführen, eine Flügelseite kommt geöffnet hinauf und
die andere öffnet sich langsam bis der Flügel über einem
steht. Hierbei zahlt sich das gute Ansprechen auf Gewichtsverlagerung aus,
das ich später noch anspreche. Hiermit kann man den Schirm einfach
aus dem Wind fliegen wie einen Kite ohne die Bremsen zu sehr zu nutzen.
Der Schirm fliegt im Geradeausflug sehr stabil, im Trimmspeed hatte ich nie
einen Klapper, der den Geradeausflug gestört hätte.
Mit maximalem Speed bleibt die Kappe auch in leicht unruhigen Bedingungen
sehr stabil.
In sehr turbulenter Luft habe ich öfter absichtlich den Fullspeed
gehalten, und hatte auch zwei beschleunigte Klapper, die allerdings relativ
unspektakulär endeten, obwohl mehr als die Hälfte der Kappe weg war.
Die Störung endete jeweils vor einem Abdrehen von 90 Grad ohne
starker Reaktionen meinerseits, einmal ging der Schirm ein wenig auf die
Nase, erholte sich aber sehr schnell.
Verhindern kann man diese Klapper leicht, indem man einfach ein wenig aus
dem Speed geht und beim Zurücknicken der Kappe wieder einsteigt. Bevor
der Schirm wegklappt, zeigt er dies meistens deutlich über die Bremsleinen
und den Druck in der Kappe an.
Kommen wir zu dem Punkt, warum ich den Air-FX so mag. Er ist einfach eine
Thermikmaschine. Am liebsten hänge ich mein Gewicht voll auf eine Seite
und zentriere einen starken engen Bart in voller Schräglage. Das kommt vom
Segelfliegen, da sagen wir, je steiler desto geiler.
Leider gibt es diese Bärte nicht immer. ;-)
Mit ein wenig
Gewichtsverlagerung und leichter Bremse kann man den Air-FX ebenso sehr flach
und langsam drehen lassen, so dass man auch abends noch die 0,2 Meter Steigen
mitnehmen kann, um hängen zu bleiben. Über die Bremsen spricht
der Flügel mit dem Piloten und zeigt Druckveränderungen in der
Kappe sehr schön an, ohne dass der Bremsdruck im fliegbaren Fenster
zu hoch ist.
Fliegt man direkt in einen stärkeren Bart ein, nickt der Flügel ein wenig
zurück, allerdings nicht übermäßig, und lässt sich
dann sehr einfach zentrieren.
Sehr intuitiv kann man einen Bart zentrieren, wenn man seitlich einfliegt, der
Air-FX zieht an einer Seite spürbar hoch, der Bremsleinendruck erhöht
sich an dieser Seite und jetzt muss man nur ein wenig Gegenhalten bis der Druck
wieder normal ist und man befindet sich im Bart.
Trotz, dass der Air-FX in der 1-2er Kategorie angesiedelt ist, und damit relativ gedämpft sein muss, ist er mit vier bis fünf Mal Gewichtsverlagerung dazu zu bewegen, auch ohne Bremse in ein Pendeln zu kommen, bei dem der Pilot über die Mitte der Kappe gehoben wird. Was passiert, wenn man die Bremse einseitig dazu zieht, muss ich sicher nicht extra erwähnen. Nicht zuletzt ist der kleinste Schirm, den es offiziell nicht gibt, als Acro-Schirm ausgelegt.
Aufgrund meiner Forschernatur habe ich einige Klapper mit dem Schirm gehabt,
allerdings niemals auch nur annähernd eine Situation, in der ich dachte,
hier stimmt etwas nicht. Alle selbst eingeleiteten Klapper, auch gehaltene
Klapper um die 50 Prozent konnte ich mit Gewichtsverlagerung, ganz ohne
Bremsleineneinsatz, geradeaus oder sogar entgegengesetzt zum Klapper
steuern.
Nur ein gehaltener Klapper mit mehr als 60 Prozent ohne Bremse und Gewicht
in Neutrallage konnte den Air-FX dazu bewegen, auf die geklappte Seite
zu drehen und nach vorne zu kippen. Nach eineinhalb Umdrehungen, nach denen
er dann allerdings etwas schneller wurde, hab ich ihn
losgelassen und der Schirm hat sich sofort wieder gefangen.
Bei turbulentem ca. 45 Grad Crosswind um die 35 km/h am Berg Shelar
in Indien hab ich den einzigen Frontklapper
kassiert, als ich leicht im Speed war, allerdings war auch dieser sofort wieder
offen ohne großes Pendeln oder ähnlichem.
Alles in Allem bewerte ich diesen Schirm als sehr sicher und fühle mich sehr wohl unter ihm.
Ohren anlegen mit diesem Schirm ist sehr einfach, die geteilten A-Gurte ziehen die Ohren großflächig ein, und man kann relativ hohe Sinkwerte erreichen. Bei beschleunigtem Fliegen bleiben die Ohren ohne Halten der A-Leinen drin, was sehr entspannend sein kann. Unbeschleunigt öffnen sie selbstständig, allerdings etwas verzögert, leichtes Betätigen der Bremsleine oder Zupfen am Stabilo sorgen für eine schnellere Öffnung.
B-Leinenstall ist für mich ein Zustand, in dem ein Gleitschirm nicht wirklich fliegt, diesen mag ich überhaupt nicht und hab ich mit diesem Schirm auch noch nicht geflogen. Hole ich vielleicht noch nach.
Die Spirale lässt sich sehr zügig einleiten, beim Hineingehen ziehe ich die äußere Bremse immer etwas nach, dann bin ich so auf 6 - 8 Meter pro Sekunde, etwas weniger außen und etwas mehr innen bringt es dann auf ca. 16 Meter pro Sekunde, die Sinkgeschwindigkeit lässt sich sehr einfach variieren. Danach bin ich dann zu sehr Weichei, um weiter hinein zu ziehen.
Schaut in den OLC und ladet Euch die igc-Dateien meiner
Flüge herunter.
Vergleiche sind hier in Indien relativ schwierig, weil es einfach keine ruhige
Luft für die perfekte Polare gibt.
Mein weitester Flug war bisher ein 45 Kilometer Dreieck, bei dem bin ich teils
Fullspeed, teils Fullspeed mit Ohren unter der Wolke oder auch Trimmspeed mit
Rückenwind geflogen. Ich hatte den Eindruck, dass die Leistung für
einen 1-2er sehr gut ist, allerdings fehlen mir genügend Vergleichswerte
dafür.
An den Soaringkanten hier hatte ich den Eindruck, dass der Air-FX auf
einem Level mit dem Ozone Rush anzusiedeln ist, den ich auch geflogen
bin.
Bei der Landung fällt gegenüber meinen vorherigen Schirmen auf, dass
der Schirm bei Überfahrt sehr schön ausflart. Man kann die
Geschwindigkeit bis zum Stall sehr schön herausziehen und für kurze
Zeit in gleicher Höhe über dem Boden schweben.
Bei zwei Landungen in Indien war ich gezwungen, mich mit Fast-Wingovern
hineinzuschaukeln, um in das kleine Feld umringt von Bäumen zu kommen,
weil es plötzlich in 5 - 10 Metern Höhe wieder nach oben ging.
Hier ist diese Eigenschaft des Ausflarens besonders wertvoll, um
nicht einzubomben.
Der Air-FX ist ein Spaßschirm, mit dem man wirklich um die Ecke
fliegen kann, weil er sowohl auf Gewicht, als auch auf Bremsen sehr direkt
anspricht.
Seine Streckenflugeignung bescheinige ich ihm hiermit, ich habe mir
vorgenommen, keinen 2er Schirm zu
kaufen, bevor ich nicht 150 km mit dem Air-FX geschafft habe. Im Vergleich mit
2ern hatte ich bisher immer den Vorteil, dass mein Schirm viel stabiler
ist. Wenn andere am Boden standen, weil es mit den
Streckenmaschinen zu heftig war, bin ich noch gerne geflogen.
Der Air-FX ist nicht für die Schulung zugelassen, verständlich
deshalb, weil er durch sein Kurvenhandling einfacher aufzuschaukeln ist,
als für die ersten grobmotorischen Flugversuche gut sein könnte.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass talentierte Anfänger, die das
nötige Feingefühl aufbringen, auch mit dem Air-FX
sehr gut bedient sind.